Meine Sitzungswoche

"Ich treffe Sie oft mit Ihrem Roten Sofa oder auf Veranstaltungen im Wahlkreis. Was machen Sie denn so im Bundestag?"

Als Bundestagsabgeordnete muss ich zwei wichtige Aufgaben unter einen Hut bringen. Ich vertrete zum einen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger aus meinem Wahlkreis in Berlin. Um zu wissen, wo im Wahlkreis politischer Handlungsbedarf besteht, ist es wichtig, viel vor Ort zu sein. Das ist zur Zeit eine besondere Herausforderung für mich, da ich nicht nur meinen eigenen Wahlkreis 11, sondern auch die Region Lauenburg im Nachbarwahlkreis 10 betreue. In diesem Wahlkreis gibt es seit 2005 leider keinen SPD-Bundestagsabgeordneten. Gleichzeitig bin ich aber auch als Gesetzgeberin für die bundespolitischen Belange ganz Deutschlands zuständig.

Mein Arbeitsrhythmus wechselt meist wöchentlich zwischen der Bundeshauptstadt und dem Wahlkreis. Das liegt an der Einteilung des Jahreskalenders in parlamentarische Sitzungswochen und sitzungsfreie Wochen. In der Regel finden zweimal im Monat Sitzungswochen statt, außer in der Sommerpause. Für 2007 und 2008 sind zum Beispiel jeweils 20 Sitzungswochen angesetzt.

Während der sitzungsfreien Wochen bin ich vor Ort im Wahlkreis tätig. Ich nehme zahlreiche regionale Termine wahr, organisiere Veranstaltungen, suche das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Vereinen und Initiativen, informiere mich über die Kommunal- und Landespolitik und berichte über die aktuelle Bundespolitik.

"Also mich interessiert, wie so eine Sitzungswoche abläuft. Erzählen Sie doch mal."

Während der parlamentarischen Sitzungswochen des Bundestages arbeite und wohne ich in Berlin. Normalerweise reise ich Montagmorgen mit der Bahn von Lübeck an und komme nach Beendigung der parlamentarischen Verpflichtungen am Freitagabend zurück. Eine Berliner Woche gleicht nie der anderen, da neben feststehenden Sitzungen häufig außergewöhnliche, oft auch sehr kurzfristige Termine anstehen. Selbstverständlich sind daneben die Organisation meiner Abgeordnetenbüros sowie das Verfassen von Reden, Gespräche und vor allem die Beantwortung der vielen Bürgeranfragen - nicht nur aus dem Wahlkreis - zu erledigen. Dazu kommen Abstimmungen mit Kollegen, fachliche Studien und Veranstaltungen, die ebenfalls einen großen Teil meiner Arbeitszeit in Anspruch.

"Und was genau steht an den einzelnen Sitzungstagen an?"

Wenn ich in Berlin bin, sieht meine Woche etwa so aus:

Montag

7:00 Uhr - Ich reise früh am Morgen mit der Bahn von Lübeck nach Berlin, um vormittags die meist terminfreie Zeit im Büro zu nutzen für die Koordinierung meiner Arbeit und um das viele Papier zu bewältigen, das dann schon wieder auf meinem Schreibtisch gelandet ist.

11:00 Uhr - Ich bespreche mich mit meinen Mitarbeitern im Berliner Büro, um die anstehenden Aufgaben zu verteilen, Termine zu koordinieren, die parlamentarischen Sitzungen vorzubereiten und die allgemeine Büroorganisation abzustimmen. Im Anschluss kümmere ich mich um die zahlreichen Bürgeranfragen aus dem Wahlkreis und bereite mich auf meine Fachbereiche in den Ausschüssen und Arbeitsgruppen vor.

15:00 Uhr - Als Mitglied des Tourismus-Ausschusses des Deutschen Bundestages gehöre ich der Arbeitsgruppe Tourismus der SPD-Bundestagsfraktion an, die immer montags tagt. Dort stimmen wir als Fachleute und Berichterstatter der Fraktion unsere Strategie und unsere politischen Initiativen ab und bereiten die Tourismusausschuss-Sitzung vor, die immer am Mittwoch stattfindet.

18:00 Uhr - Abends treffe ich mich mit Fraktionskollegen - wie zum Beispiel im Sprecherkreis der Parlamentarischen Linken. Leider tagt parallel oft die AG "Küstengang", in der wir uns als norddeutsche Abgeordnete die Belange der Küstenbundesländer zum Thema machen. Dann stehe ich wieder mal vor der Entscheidung, wo ich hingehe.

Dienstag

9:00 Uhr - Den gesamten Vormittag nimmt meine zweite Fraktions-Arbeitsgruppe ein, die AG für Arbeit und Soziales. Auch dort bin ich für Themenbereiche wie zum Beispiel das Sozialhilfegesetz Berichterstatterin für die SPD-Fraktion.

15:00 Uhr - Dienstags findet unsere Fraktionssitzung statt. Hier kommen dann alle 222 SPD-Abgeordneten zusammen und legen die gemeinsame Linie für die Sitzungswoche fest. Vorab treffen sich zur Vorbereitung die SPD-Abgeordneten der Parlamentarischen Linken, in deren Vorstand ich bin.

19:00 Uhr - In der Regel nehme ich abends zwischen Dienstag und Donnerstag Einladungen zu Parlamentarischen Abenden, Empfängen oder Fraktionsveranstaltungen, die meine Arbeitsschwerpunkte betreffen, wahr.

Mittwoch

9:00 Uhr - Die Ausschüsse des Deutschen Bundestages stellen das Herzstück der politischen Arbeit des Parlaments dar. Hier kommen die Fachpolitiker aller Fraktionen des jeweiligen Politikbereiches zusammen. In den nichtöffentlichen Sitzungen werden Anträge und Gesetzesentwürfe zwischen den Fraktionen abgestimmt, bevor sie in Zweiter und Dritter Lesung im Plenum beschlossen oder abgelehnt werden.

Diese Aufgabenarbeitsteilung zwischen den Ausschüssen - und den einzelnen Abgeordneten - ist notwendig, um die Bearbeitung der Fülle an Themen und Sachfragen zu gewährleisten. Im Ausschuss für Arbeit und Soziales bin ich ordentliches Mitglied und Berichterstatterin unter anderem für Betriebliche Altersvorsorge, Sozialhilfe und Europäische Beschäftigungspolitik. Die Ausschussarbeit erstreckt sich meistens bis zum späten Mittag. Zu wichtigen Themen mit hohem Aktualitätsbezug (zum Beispiel im Bereich des Arbeitslosengeldes oder der Rente) finden zusätzlich öffentliche oder nichtöffentliche Anhörungen statt.

13:00 Uhr - Im Plenum beginnen am Mittwochnachmittag die ersten Sitzungen, es sind vor allem die Befragung der Bundesregierung und "Aktuelle Stunden" zu aktuellen Themen.

15:00 Uhr - Mein zweiter Hauptausschuss ist der Ausschuss für Tourismus. Dort bin ich in der SPD-Fraktion vor allem verantwortlich für arbeitsmarkt- und sozialpolitische Themen, Sicherheitsfragen im Tourismus, Schutz vor Terror, Verbraucherrechte und Verbraucherschutz sowie für den Fahrradtourismus.

19:00 Uhr - Auch der Mittwochabend ist meist vollgestopft mit Veranstaltungs- und Gesprächsterminen.

Donnerstag

7:30 Uhr - Am frühen Morgen treffe ich mit meiner Fraktionskollegin und den Kollegen aus Schleswig-Holstein zusammen. Als Landesgruppe besprechen wir die aktuell anstehenden Fragen sowie die Grundsatzpolitik und stimmen uns ab, um möglichst geschlossen und erfolgreich die Interessen Schleswig-Holsteins beim Bund zu vertreten.

9:00 Uhr - Der Donnerstag wird für alle Abgeordneten von den Debatten im Plenum des Bundestages bestimmt. Diese strecken sich über den ganzen Tag bis oft in den späten Abend. In meiner Abgeordnetentätigkeit habe ich seit Oktober 2002 bereits knapp 50 Reden vor dem Bundestagsplenum gehalten.

12:00 Uhr - Donnerstags kommen oft Besuchergruppen aus meinem Wahlkreis in den Reichstag. Ich diskutiere gerne mit den vielen Schulklassen aber natürlich auch mit allen anderen Gästen, die ich als Bundestagsabgeordnete einladen kann, und hoffe, dass sie ein positives Bild unserer Arbeit mit nach Hause nehmen.

16:00 Uhr - Ein weiterer meiner Schwerpunkte ist die Förderung der Kommunen. Auch hierzu gibt es eine Arbeitsgruppe. Die Auswirkungen unserer bundespolitischen Entscheidungen auf die Städte und Gemeinden werden diskutiert. Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Ebene sind mit dabei, um ihre Erfahrungen einfließen zu lassen.

19:00 Uhr - Nun muss ich wieder zurück ins Plenum. Hoffentlich habe ich nichts verpaßt!

Freitag

9:00 Uhr - Pünktlich um 9 Uhr beginnt der dritte Teil der Plenarsitzungen mit den restlichen Debatten. Diese gehen meist bis zum frühen Nachmittag.

15:00 Uhr - Nachdem im Büro die Auswertung der Woche und eine erste Planung für die folgende Sitzungswoche besprochen wurde, fahre ich zurück in den Wahlkreis. Dort kann ich mich über Langeweile nicht beschweren, denn es stehen in der Regel schon wieder die nächsten Termine an.

Bilanz

Als Abgeordnete hat man weder feste Arbeitsstunden noch geregelte Arbeitszeiten. Für das Familenleben und Freundschaften ist das oft ein Problem. Die Arbeit bietet mir dafür aber sehr viel Gestaltungsfreiheit und die Chance, Menschen und interessante Themen und Sachverhalte kennenzulernen und an der Lösung von Problemen mitzuwirken. Es ist ein Leben unter dem Adler.

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