Rede zum Antrag „Kulturtourismus in den Regionen weiterentwickeln“

06.02.2015 | Am 6. Februar habe ich diese Rede im Bundestagsplenum im Rahmen der Debatte zur Weiterentwicklung des Kulturtourismus in Deutschland gehalten und dabei den von mir federführend erarbeiteten Antrag vorgestellt. Ziel ist eine von der Bundesregierung koordinierte „Initiative Kulturtourismus in den Regionen“, mit der Kultur und Tourismus zum gegenseitigen Nutzen enger vernetzt und vorbildhafte kulturtouristische Projekte gefördert werden.

 

Rede vom 06.02.2015
Rede zum Koalitions-Antrag „Kulturtourismus in den Regionen weiterentwickeln“Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich freue mich sehr, dass wir heute über einen der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland sprechen:

Den Tourismus.

Nun gibt es ja viele Arten von Tourismus. Wir befassen uns in unserem vorliegenden Antrag mit dem Kulturtourismus.

Den wollen wir in Deutschland stärken.

Sie denken jetzt vielleicht, warum das denn, Kulturtourismus ist doch ein Selbstläufer. Deutschland ist inzwischen Kulturreiseziel Nummer eins in Europa – vor Frankreich und Italien.

Ja, Sie haben Recht, wir haben in Deutschland einen wahren Schatz an Kultur: Museen, Theater, Opernhäuser, Festivals, Industriekultur und vieles mehr.

Wir haben darüber hinaus ein unglaublich reiches Weltkulturerbe.

Wie meine Heimatstadt Lübeck, die zum UNESCO-Welterbe gehört.

Und sie ist als „Kulturhauptstadt des Nordens“ ein wahrer Besuchermagnet.

Auch viele andere Großstädte haben in den letzten Jahren überdurchschnittlich vom Tourismus profitiert.

Hier also funktioniert das Zusammenspiel von Kultur und Tourismus hervorragend.

Wie aber sieht es in den ländlichen Regionen aus?

Auch sie haben ja einiges zu bieten. Doch leider gelingt hier der Austausch oft nicht so gut.

Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, wollen wir jetzt ändern!

Wir werden Kultur und Tourismus mit einer „Initiative Kulturtourismus in den Regionen“ zum gegenseitigen Nutzen stärker zusammenbringen.

Das regionale Kulturangebot bietet oft wertvolle Alleinstellungsmerkmale für die Vermarktung.

Zugleich eröffnet Kulturtourismus den Kultureinrichtungen neue Zielgruppen, mehr Besucherinnen und Besucher und eine breitere Wahrnehmung.

Das funktioniert aber nur, wenn die Akteurinnen und Akteure von Kultur und Tourismus „die gleiche Sprache sprechen“.

Das ist oft nicht der Fall, denn Kultur und Tourismus haben unterschiedliche Herangehensweisen:

Museen und Kulturstätten wollen in erster Linie ein umfassendes thematisches Angebot bieten und die Kulturschätze mitunter vor zu starkem Andrang schützen.

Für Hotels, Restaurants und Tourismusmarketing ist dagegen die Gäste-Nachfrage das A&O. Nach dem Motto „Je mehr desto besser“.

Leider funktioniert auch die Zusammenarbeit von Stadt und Land oft nicht so gut.

Wenn es gelingt, mehr Verständnis füreinander und einen fruchtbaren Austausch der unterschiedlichen Interessen hinzubekommen, kann nur Gutes daraus erwachsen:

Für die Urlauber genauso wie für die Regionen und für die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Wir wollen mit unserer Initiative darüber hinaus dazu beitragen, dass nicht jede Gemeinde nur für sich um ihren eigenen kleinen Kirchturm herum touristisch wirkt. Wir schaffen Anreize und Möglichkeiten, sich überregional und über Landesgrenzen hinweg zu vernetzen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, um diese Herausforderung zu bewältigen, brauchen wir die Bundesregierung und unsere Tourismusbeauftragte.

Ihre Aufgabe ist es nun, eine koordinierte „Initiative Kulturtourismus in den Regionen“ ins Leben zu rufen.

Wichtigste Ziele hierbei sind:

1. Die Entwicklung guter Vermarktungskonzepte für Kulturtourismus soll gefördert werden.

2. Wir wollen eine Plattform für strategisches kulturtouristisches Marketing entwickeln.

3. Mit einem Bundeswettbewerb sollen kulturtouristische Projekte vor allem im ländlichen Raum initiiert werden.

4. Insbesondere überregionale kulturtouristische Projekte wollen wir modellhaft in jedem Bundesland fördern, wenn sie besonders innovativ sind und einen barrierefreien Ansatz verfolgen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit dieser Initiative bringen wir den Kulturtourismus bundesweit noch ein gutes Stück weiter voran und geben vielen Regionen neue Perspektiven!

Dass das Thema auch verstärkt in der Branche im Trend liegt, macht unter anderem eine neue eigene Halle für Kulturtourismus auf der ITB im März deutlich.

Wichtig ist uns auch, die herausragende Bedeutung des Tourismus noch stärker im Bewusstsein von Politik und Gesellschaft zu verankern.

Immerhin ist der Tourismus mit rund 100 Milliarden Euro Wertschöpfung einer der wichtigsten Wirtschafts- und Wachstumsmotoren, den wir in Deutschland haben.

Und er brummt, wie die aktuelle Jahresbilanz 2014 belegt:

Der Deutschlandtourismus hat mit 423 Millionen Übernachtungen zum fünften Mal in Folge ein Rekordergebnis eingefahren – das sind satte drei Prozent mehr!

Dieses tolle Ergebnis ist natürlich nicht vom Himmel gefallen.

Nein, es ist vor allem das Verdienst der fast 3 Millionen engagierten und fleißigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Tourismusbranche.

Ich freue mich deshalb sehr, dass wir uns jetzt endlich einmal ganz konkret bei ihnen bedanken können!

Wir tun das mit dem gesetzlichen Mindestlohn, der seit Januar gilt und vor allem auch den Beschäftigten in der Tourismusbranche Verbesserungen bringen wird.

Ich bin mir sicher, mit einer guten Lohnkultur klappt es auch noch besser mit Tourismus und Kultur!