Rede zum Tourismuspolitischen Bericht 23. Juni 2017

Gabriele Hiller-Ohm im Plenum des Deutschen Bundestages

 Am 23. Juni habe ich eine Rede im Bundestagsplenum zum Tourismuspolitischen Bericht der Bundesregierung gehalten. Hier können Sie sie anschauen oder nachlesen:

Frau Präsidentin,

meine sehr verehrten Damen und Herren auf den Rängen und im Saal,

„Kein Zweifel: Tourismus ist in Deutschland eine Erfolgsstory.“

So lautet der erste Satz aus dem vorgelegten Tourismuspolitischen Bericht der Bundesregierung, für den ich mich ganz herzlich bei unserer Tourismusbeauftragten Iris Gleicke und ihrem tollen Team bedanke!

Die Zahlen wurden schon genannt:
Der Tourismus beschert unserem Land fast 290 Milliarden Euro Umsatz jährlich und zählt somit zu den wirtschaftlichen Schwergewichten.

Wem, liebe Kolleginnen und Kollegen, verdanken wir das?

Zum einen der Investitionsbereitschaft, Kreativität und Ausdauer der vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Zum anderen aber auch den Beschäftigten, die Tag für Tag hart für dieses gute Ergebnis arbeiten.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich bei diesen 3 Millionen Menschen im Namen meiner Fraktion ganz besonders bedanken.

Sie bringen jeden Tag ihre Leistung – in den Restaurants, Hotels und Reisebüros, bei Veranstaltern, Busunternehmen, Freizeitparks, auf Campingplätzen oder in der Touristinfo.

Danke für die tolle Arbeit – Sie sind der Motor des Tourismus in unserem Land!

Ihre Arbeit muss aber auch entsprechend wertgeschätzt werden. Daran hapert es leider oft.

Das zeigt sich an den vielen schwierigen Arbeits- und Ausbildungsverhältnissen und niedrigen Löhnen, die in der Branche gezahlt werden.

Hier muss sich dringend etwas ändern, wenn wir die guten Ergebnisse im Tourismus zukünftig halten wollen.

Denn, da spreche ich kein Geheimnis aus, gerade in der Gastronomie und Hotellerie fehlen schon heute Fachkräfte.

Bei der anhaltend guten Beschäftigungslage wird sich diese Situation noch verschärfen – angesichts der Konkurrenz mit anderen Branchen.

Junge Menschen suchen sich nach dem Schulabschluss attraktivere Ausbildungsalternativen.

Nur ein Beispiel aus meiner Region, der Ostseeküste in Schleswig-Holstein:

Seit acht Monaten sucht dort ein Gastronomiebetrieb über Anzeigen verzweifelt nach Köchen und Tresenkräften.

Im Arbeitsagenturbezirk Lübeck/ Ostholstein meldeten die Betriebe seit Jahresbeginn über 900 offene Stellen.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass aufgrund der guten Nachfrage viele neue Betriebe öffnen.

Allein in Lübeck entstehen zurzeit fünf neue große Hotels.

Der Kampf um Personal hat bereits begonnen. So werden Beschäftigte aus Not zunehmend von Konkurrenten abgeworben.

Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, kann es nicht sein!

Hier brauchen wir dringend Lösungen, damit der Deutschlandtourismus seinen Höhenflug weiterhin fortsetzen kann.

Die Branche selbst ist gefordert.

Aber auch wir, die Politik, können Rahmenbedingungen setzen.

Wir haben das schon getan, zum Beispiel mit dem gesetzlichen Mindestlohn.

Er hilft den Beschäftigten, vor allem auch den vielen Frauen, die in der Gastronomie und in den Hotels für wenig Geld schuften.

Die Forderung aus der Branche nach weiterer Flexibilisierung der Arbeitszeit und 12-Stunden-Schichten halten wir für kontraproduktiv.

Stattdessen sollten wir alles dafür tun, die Ausbildung attraktiver zu machen.

Als SPD wollen wir für eine angemessene Mindestausbildungsvergütung sorgen.

Und wir wollen flächendeckend Jugendberufsagenturen einrichten, um Jugendlichen Beratung und Unterstützung aus einer Hand beim Einstieg in Ausbildung und Beruf zu geben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Tourismus ist insgesamt gut aufgestellt, aber es stehen große Herausforderungen an.

Die Fachkräftesicherung habe ich angesprochen, der Anschluss an die modernen Kommunikationstechnologien und barrierefreies Reisen sind weitere wichtige Aufgabenfelder.

Es muss uns auch gelingen, den Tourismus insgesamt besser zu koordinieren.

Die Kleinteiligkeit der Branche und Querschnittsaufgabe vieler Ministerien des Bundes und der Länder kann im internationalen Wettbewerb sehr schnell zum Nachteil werden.

Das neue Kompetenzzentrum Tourismus, das unsere Tourismusbeauftragte gerade auf den Weg bringt, kann dazu beitragen, die Tourismuspolitik schlagkräftiger aufzustellen.

Und damit komme ich zu dir, liebe Iris,

Du hast heute deine letzte Rede im Bundestag gehalten. Es freut mich, dass du deine Arbeit als Tourismusbeauftragte hier mit dem Bericht und einer darin festgehaltenen tollen Bilanz abschließen kannst.

Es ist enorm, was du mit deinem kleinen Team für den Tourismus bewegt hast!

Du hast Dich in den dreieinhalb Jahren immer an vorderster Front dafür eingesetzt, dass der Tourismus in der Politik die Berücksichtigung findet, die er verdient.

Und Du hast die wichtigen Themen, die in der Tourismusbranche unter den Nägeln brennen, angepackt und wo es ging, für Verbesserungen im Sinne des Tourismus gesorgt.

Dafür, liebe Iris, ein ganz großes Dankeschön!

Und auch wenn du dann nicht mehr im Parlament bist, ist für uns für die SPD, aber ich denke mal auch für meine Kolleginnen und Kollegen der anderen Fraktionen ganz klar:

Wir kämpfen weiter für den Tourismus!

Dankeschön!