Lübecker Abgeordnete Hiller-Ohm absolviert Praktikumstag im Tierheim Lübeck

Gleich beginnt die Arbeit! Laute Begrüßung für Teamleiter Niko Stoppel und Praktikantin Gabriele Hiller-Ohm, MdB

30.08.2017 | Der Praktikumstag der Lübecker Bundestagsabgeordneten Gabriele Hiller-Ohm am 23.08.2017 im Lübecker Tierheim  begann pünktlich um 7.45 Uhr mit kurzer Begrüßungsrunde und lautem Gebell aus den Hundehäusern. Zum Glück liegt das Tierheim ziemlich abseits im Stadtteil Kücknitz, so dass der Lärm hier niemanden stört.

Es hat sich vieles verändert, seit Hiller-Ohm Anfang 2000 ihre drei Hunde hier aus dem Tierheim zu sich nach Hause holte. Damals wurden die Tiere noch einzeln oder in sehr kleinen Gruppen in Zwingern gehalten. Das ging vielen Besuchern und Besucherinnen ans Gemüt, so auch der Bundestagsabgeordneten, die sich spontan für die Mitnahme zweier weiterer Hunde entschied. Heute erscheint der Hundetrakt im Lübecker Tierheim in völlig anderem Licht. Es gibt neue Häuser mit großzügigen Außenbereichen und ein modernes Haltungskonzept. Statt Isolation setzt man auf das Prinzip Rudel. Teamleiter Niko Stoppel hat das Konzept vor vier Jahren entwickelt. Es ist bislang außergewöhnlich im Bundesgebiet und hat sich vor allem bei den Rüpeln unter den Hunden hervorragend bewährt. Die meisten Hunde landen im Tierheim, weil die Halter mit ihren Tieren nicht zurechtkommen. Sehr oft fehlen Kenntnisse über die Bedürfnisse der Hunde. Falsches Verhalten führt dann oft zu schwerwiegenden Problemen.

Unter Teamleiter und  Tiertrainer Niko Stoppel erhalten die Hunde im Tierheim die Chance wieder soziales Verhalten in der Gruppe einzuüben. Es ist beeindruckend wie entspannt die Tiere insgesamt sind  ̶  eine Win-Win-Situation auch für die Vermittlung der zur Zeit 60 Hunde. Niko Stoppel kennt jeden seiner Hunde und dessen Eigenschaften sehr genau. Im Rudel wird rasch deutlich, welche Stellung jeder einzelne Hund einnimmt. So kann Stoppel gut beraten und den richtigen Hund an den richtigen Mann beziehungsweise an die richtige Frau bringen. 120 Tiere werden so jährlich vermittelt  ̶  und sogar aus anderen Tierheimen nach Lübeck gebracht, wenn sie zu schwierig sind. Vorreiter ist das Lübecker Tierheim auch beim Verzicht auf die üblichen Zwangskastrationen. Diese wurden unter Stoppel abgeschafft. Sie verstoßen aus seiner Sicht gegen das Tierschutzgesetz. Hiller-Ohm sieht das genauso. Sie musste sich bei ihrem ersten Tierheimhund noch vertraglich verpflichten, ihn kastrieren zu lassen. Sie hat dies damals schon als falsch empfunden.

Neue Wege will das Lübecker Tierheim auch bei der Unterbringung von Katzen und Exoten gehen. Geplant ist ein großzügiges Katzendorf mit viel Platz in drei neuen Gebäuden und zwei Multifunktionshäusern für 120 Katzen. Noch in diesem Jahr soll das erste Haus im Katzendorf fertiggestellt sein. Bei den Exoten soll der momentan noch eher provisorische Bereich verbessert werden, um dem vermehrten Andrang exotischer Tiere gerecht zu werden.

Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Lübeck, Ellen Kloth, wünscht sich eine bundeseinheitliche Katzenschutzverordnung mit Kastrationszwang für Katzen, die nicht nur im Haus gehalten werden. Bei Katzen kann auf die Kastrationen leider nicht verzichten werden, weil sie sich sonst beim Freigang unkontrolliert vermehren. Das würde zu noch mehr herrenlosen Katzen führen. Deshalb soll eine Kennzeichnungspflicht mit einem Mikrochip unter der Haut und die Registrierung des Besitzers in einer Datenbank verpflichtend sein, um den Eigentümer der Katze ermitteln zu können, falls das Tier entläuft oder ausgesetzt wird. Diese verpflichtende Registrierung sollte auch für Hunde gelten, denn das Chippen allein macht keinen Sinn. Das hört sich richtig an, meint auch Hiller-Ohm. Sie will sich in Berlin dafür einsetzen.

Damit Tierheime ihre so wichtige Arbeit überhaupt erledigen können, müssen natürlich auch die Finanzen stimmen. Im Lübecker Tierheim gibt es derzeit 12 hauptamtlich Beschäftigte und drei Auszubildende. Das Geld, das von der Stadt kommt, reicht zur Finanzierung bei weitem nicht aus. Lübeck hat Glück, es gibt Spenden und vor allem auch Erbschaften. Darauf kann man sich jedoch nicht verlassen, meint Kloth und fordert eine bundeseinheitliche Finanzierung der Tierheime. Ja, sagt dazu auch Hiller-Ohm. Deshalb setzt sich die SPD zum Beispiel für eine einheitliche Regelung zur Erstattung der Kosten für Fundtiere ein.

Als der Arbeitstag von Hiller-Ohm pünktlich um 16:00 Uhr endet wird wieder gebellt – dieses Mal zum Abschied.