Hiller-Ohm: Versauerung der Meere betrifft uns alle

Bild: Stefan H. Schenk

Jedes Jahr widmen die Vereinten Nationen den 08. Juni als „Internationaler Tag des Ozeans“ dem Schutz und der Erhaltung des Ökosystems Meer. Umweltschützer und Wissenschaftler mahnen seit einigen Jahren jedoch verstärkt an, dass die Höhe der menschlichen CO2-Emissionen neben einer Erhöhung der globalen Temperatur auch dramatische Auswirkungen auf den Säure-Base-Haushalt der Meere habe. Das Treibhausgas werde im Meerwasser zu Kohlensäure umgesetzt, was eine Erniedrigung des pH-Werts zur Folge habe. Dies führe zu tiefgreifenden Konsequenzen für Tiere, Pflanzen und Menschen. Dazu erklärt die Lübecker Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD):

„Die akute Versauerung der Meere betrifft uns alle, denn sie wird durch den Menschen herbeigeführt. Seit Beginn der Industrialisierung hat der Säuregehalt der Meere um 26% zugenommen. Da vor allem kalkbildende Tiere und Algen äußert säureempfindlich sind, bedroht diese Entwicklung einen Großteil des Lebens im Meer. Die Folgen würden sich auch massiv auf die weltweiten Fischbestände auswirken, welche für etwa eine Milliarde Menschen weltweit eine Hauptnahrungsquelle darstellen. Wenn wir die weltweiten CO2-Emissionen nicht senken, sind wir für das nächste große globale Massenaussterben verantwortlich. Diese Erkenntnisse sind breiter wissenschaftlicher Konsens.“

Die SPD-Politikerin warnt zudem vor einer möglichen Kettenreaktion, sollte der Säuregehalt des Ozeans noch weiter steigen. „Photosynthese betreibende Algen fixieren weltweit gut die Hälfte allen pflanzlich gebundenen Kohlendioxids. Viele dieser vor allem einzelligen Organismen sind auf einen stabilen pH-Wert des Wassers angewiesen, da sie Kalk in ihre Zellwände einlagern. Ab dem Erreichen eines kritischen Punkts könnte ein Absterben von Algenbeständen zu einer verminderten Kohlendioxidfixierung führen, was den Treibhauseffekt und die Ozeanversauerung noch schneller vorantreiben könnte. Hiller-Ohm begrüßt zudem, dass sich die Gesellschaft in den vergangenen Jahren mehr gegenüber der Thematik geöffnet hat und lobt auch die „Fridays for future“-Bewegung: „Dass Schülerinnen und Schüler in diesen Tagen für die Rettung der Klimas auf die Straße gehen zeigt, dass sich allmählich die gesellschaftlichen Bedingungen zu Gunsten einer nachhaltigen Klima- und Umweltpolitik verschieben. Ich begrüße dieses Engagement ausdrücklich.“

Sie sieht nun Politik und Wirtschaft an der Reihe, die Forderungen der Menschen umzusetzen: „Wir brauchen sofortige Maßnahmen, um unseren CO2-Ausstoß zu minimieren. Das von Bundesumweltministerin Svenja Schulze initiierte Klimakabinett ist dabei ein wichtiger erster Schritt. Unter anderem sind der schnelle Ausstieg aus der Kohleverstromung und die Umsetzung einer nachhaltigen Verkehrswende dringend geboten. Dabei sehe ich vor allem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in der Verantwortung. Anstatt auf die Entwicklung autonom fahrender LKWs zu setzen, sollte der Ausbau von schienengebundenem Personen- und Güterverkehr viel stärker gefördert werden. Auch dürfen Automobilunternehmen nicht länger vom Bundesverkehrsministerium hofiert werden, sondern müssen in die Pflicht genommen werden, sich in den kommenden Jahren stärker am Ausbau der E-Mobilität in Deutschland zu beteiligen. So müssen unter anderem Elektroautos nachhaltiger in der Produktion und günstiger für Verbraucherinnen und Verbraucher werden.“