Für eine Neuregelung der Organspende durch Widerspruchslösung

Bild: Gabriele Hiller-Ohm

Am Donnerstag, den 16. Januar 2020, debattiert der Deutsche Bundestag über eine Neuregelung der Organspende. Bei der namentlichen Abstimmung ist die Fraktionsdisziplin aufgehoben. Es liegen drei Anträge zur Abstimmung vor. Gabriele Hiller-Ohm, SPD-Bundestagsabgeordnete für Lübeck, spricht sich für die Widerspruchslösung in der Organspende aus. Dazu Gabriele Hiller-Ohm:

„Ich hoffe, dass der Antrag zur Widerspruchslösung am Donnerstag im Bundestag die nötige Mehrheit erhält. Die jetzige Regelung der Organspende muss unbedingt reformiert werden. Zur Zeit kann man  mit dem Organspende-Ausweis kennzeichnen, ob man nach dem Tod Organe spenden möchte. Viele Menschen sind zu einer Organspende bereit, besitzen jedoch keinen Organspende-Ausweis. Für die knapp 10.000 schwerkranken Menschen, die auf der Organspende-Warteliste stehen, greift die aktuelle Regelung zu kurz. Viele von ihnen müssen sterben, während sie auf der Warteliste stehen, da im vergangenen Jahr lediglich 955 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet haben.

In anderen europäischen Ländern gibt es bereits die Regelung, dass Menschen nach ihrem Tod grundsätzlich als Organspender oder -spenderinnen in Frage kommen – es sei denn, sie haben dem vorher widersprochen. Aus den guten Erfahrungen des europäischen Auslands können wir in Deutschland lernen.

Deswegen setze ich mich für die Widerspruchslösung ein. Demnach kann in Deutschland jede und jeder nach dem Tod als Organspender oder -spenderin in Frage kommen, sofern nicht vorher widersprochen wurde. Der Widerspruch zur Organspende soll in einem Register eingetragen werden, das vor jeder Transplantation auf einen Widerspruchshinweis geprüft wird. Diese Widerspruchslösung wird ebenfalls von dem gesundheitspolitischen Experten der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, sowie dem Gesundheitsminister Jens Spahn befürwortet.

Mit der Widerspruchslösung bei der Organspende können wir schwerkranken Menschen eine weitere Lebensperspektive ermöglichen. Gleichzeitig können wir einen Paradigmenwechsel zu einer solidarischen Spenderkultur einleiten.

Natürlich reicht die doppelte Widerspruchslösung allein nicht aus, um mehr Menschen zu helfen, die so dringend auf ein lebensrettendes Organ warten. Notwendig sind Verbesserungen für Kliniken, wie die Freistellung von Transplantationsbeauftragten, eine bessere Vergütung von Organentnahme und Transplantationsvorbereitung sowie die Einrichtung von neurologischen Bereitschaftsdiensten zur Unterstützung der Entnahmekrankenhäuser bei der Beurteilung des Hirntodes.“