Equal Pay Day 2020: Ohne Verbandsklagerecht geht es nicht

Bild: Gabriele Hiller-Ohm

Am 17. März ist Equal-Pay-Day. Auch in diesem Jahr müssen Frauen wieder 77 Tage länger arbeiten, um für die gleiche oder gleichwertige Arbeit den gleichen Lohn wie Männer zu erhalten. Das ist ungerecht und nicht zeitgemäß. Damit Frauen in Zukunft eine echte Chance auf gleichen Lohn haben, brauchen wir eine Verschärfung des Lohntransparenzgesetzes u.a. mit einem Verbandsklagerecht. Dazu äußert sich die Lübecker Bundestagsabgeordnete, Gabriele Hiller-Ohm (SPD): 

„Das Lohntragsparenzgesetz, das seit 1. Januar 2018 in Kraft ist, war ein erster, sehr wichtiger Schritt zu mehr Lohngleichheit. Beschäftigte können nun verlangen Auskunft darüber zu erhalten was andere Beschäftigte im Betrieb für gleiche Arbeit an Lohn erhalten. Die Erfahrungen der letzten zwei Jahre zeigen jedoch, dass der individuelle Auskunftsanspruch, wie im Gesetz festgelegt, nicht ausreicht, um Lohngleichheit auf den Weg zu bringen. Das Schwert ist noch zu stumpf, wir brauchen mehr Durchsetzungskraft. Wir brauchen die Einführung des Verbandsklagerechts, damit nicht jede Frau und jeder Mann für sich alleine klagen müssen, und wir brauchen die Schärfung bestehender Maßnahmen, sonst wird sich nichts ändern.

Mit dem Verbandsklagerecht lassen wir Frauen nicht länger alleine gegen ihre Arbeitgeber vor Gericht ziehen. Für „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ kämpfen dann organisierte Verbände, die eine größere Bürgerbeteiligung und vor allem mehr Öffentlichkeit herstellen können. So kann auch in der Gesellschaft die Bereitschaft weiter wachsen, die Forderungen nach Lohngleichheit mitzutragen.

Weiter muss das bisherige Auskunftsrecht, nach dem nur Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten vergleichbare Auskünfte über Gehälter geben müssen, auch auf kleinere Unternehmen ausgedehnt werden. Auch sollten Unternehmen zukünftig verbindlich Prüfverfahren anwenden müssen, die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zertifiziert sind, dies kann nicht länger nur freiwillig erfolgen, auch wenn es Unternehmen gibt, die sich hier vorbildlich verhalten und von der Antidiskriminierungsstelle dafür auch bereits ausgezeichnet wurden.

Außerdem, und das ist mir persönlich besonders wichtig, brauchen wir mehr Gleichstellung bei den Sorgeberufen. Höhere Löhne und mehr Wertschätzung und Anerkennung bei Gesundheits-, Pflege- und Erziehungsberufen sind hier ganz wesentlich.“