Länder des globalen Südens besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen

Bild: Gabriele Hiller-Ohm

Eine Pandemie ist ein globales Phänomen. Europa leidet stark unter den Auswirkungen des Corona-Virus. Noch härter trifft es jedoch die ärmeren Länder des globalen Südens. Dies darf in der aktuellen Situation nicht in Vergessenheit geraten, mahnt Gabriele Hiller-Ohm (SPD) Mitglied in der Parlamentariergruppe Westliches Afrika:

 

„Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus und Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft, die damit zusammenhängen sind außer Frage sehr hart, noch nie dagewesen und treffen uns alle. Dennoch muss uns in Deutschland und Europa bewusst sein, dass wir gute Möglichkeiten haben, um die schlimmsten Auswirkungen dieser Pandemie abzufedern. Starke soziale Sicherungssysteme, Rettungs- und Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft und insbesondere ein leistungsfähiges Gesundheitssystem helfen uns diese Krise vergleichbar gut zu überstehen. Die Länder des globalen Südens verfügen meist nicht über eine vergleichbare Infrastruktur. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind deshalb dort umso härter zu spüren. Trotz der vielen Probleme und Ängste, mit denen wir in unserem eigenen Land zu kämpfen haben, dürfen wir die ärmeren Länder nicht aus dem Blick verlieren! Deutschland muss hier seiner globalen Verantwortung gerecht werden.

Covid-19 wird dabei zu einem Beschleuniger von weiteren Krisen. Insbesondere in der Frage der Ernährungssicherheit spitzt sich die oftmals ohnehin dramatische Lage gefährlich zu. Aber auch der Gesundheitsbereich hat in vielen Ländern schon zu „normalen“ Zeiten mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen und ist für die vielen potentiellen Schwererkrankten nicht vorbereitet. Das Konzept des social distancing ist in den dicht besiedelten Ballungsräumen schlichtweg nicht möglich. Ein Großteil der Menschen arbeitet darüber hinaus im informellen Sektor, zum Beispiel als Straßenhändler oder Reinigungs- und Hilfskraft, der von der aktuellen Krise überproportional betroffen ist. Verstärkend kommt hinzu, dass viele Hilfsorganisationen ihrer Arbeit nicht mehr wie gewohnt oder gar nicht nachkommen können. Auch das führt zu einer weiteren Verschärfung der Lage.

Sierra Leone ist ein Land, das beispielhaft für diese problematische Situation steht. Ich konnte das Land bereits mehrfach besuchen und es liegt mir besonders am Herzen. Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Welt und hat sich gerade erst von der Ebola-Epidemie erholen können. Die schrecklichen Erfahrungen von Ebola haben zwar nun den positiven Effekt, dass es vielerorts Möglichkeiten zum Händewaschen gibt, das Gesundheitssystem ist aber weiterhin katastrophal schlecht ausgebaut. Für circa sieben Millionen Einwohner:innen stehen gerade mal 100 Intensivbetten und 22 Beatmungsgeräte, in lediglich vier dafür ausgestatteten Krankenhäusern zur Verfügung. Aktuell sind die offiziellen Infektionszahlen noch relativ niedrig, das kann aber auch daran liegen, dass die Testkapazitäten des Westafrikanischen Landes bei lediglich 100 Tests pro Tage liegen. Sollte es zu einem, den europäischen Dimensionen vergleichbaren Ausbruch von Covid-19 kommen, wird das katastrophale Folgen in Sierra-Leone haben. Wir müssen uns in dieser Situation daher auch unserer internationalen Verantwortung bewusst sein und schnell und unkompliziert Hilfe leisten.“