Hiller-Ohm besucht die Carlebach Synagoge

V.l.n.r.: Herr Olschanski, Frau Hiller-Ohm, Herr Schröder-Berkenthin, Herr Yaroshevskyy, Herr Grinberg

Gabi Hiller-Ohm in der Carlebach-Synagoge Bild: Gabriele Hiller-Ohm

Endlich sind die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen an der Carlebach Synagoge fertig gestellt. Zu diesem Anlass hat die Lübecker SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm die neu sanierte Lübecker Synagoge besucht. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Herrn Alexander Olschanski, dem Rabbiner Nathan Grinberg, Herr Marat Yaroshevskyy sowie dem Architekten der Umbaumaßnahmen, Herrn Thomas Schröder-Berkentien hat sich Frau Hiller-Ohm von der neuen Schönheit der ursprünglich 1880 erbauten Synagoge überzeugen können. Zur Sanierung der Carlebach Synagoge hat der Bund fast 4 Millionen Euro aus verschiedenen Fördertöpfen beigetragen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 8,5 Millionen Euro. Dazu äußert sich Frau Hiller-Ohm wie folgt:

„Ich freue mich sehr, dass die Arbeiten in und an der Carlebach Synagoge in Lübeck nun fertig gestellt worden sind. Die jüdische Gemeinde Lübeck mit ihren 700 Mitgliedern kann diese beeindruckenden Räumlichkeiten jetzt wieder für ihr Gebet und das gemeinsame Feiern nutzen. Seit Beginn der Sanierung habe ich mich im Deutschen Bundestag immer wieder für die Finanzierung dieses wichtigen Vorhabens eingesetzt. Das Projekt hat so von umfangreichen Mitteln des Denkmalschutz-Sonderprogramms des Bundes profitiert. Damit hat der Bund über die Jahre fast die Hälfte der Sanierungskosten von circa 8,5 Millionen Euro übernommen. Nach der Besichtigung der Synagoge kann ich nun sagen, dass sich dieser Einsatz voll und ganz gelohnt hat!

Besonders beeindruckt hat mich der erst im August eingebaute Thoraschrein. Aber auch die erst spät entdeckten und nun freigelegten Wandmalereien und die wunderschöne Frauenempore sind beeindruckende Kunstwerke. Ich bin sehr froh, dass wir gemeinsam eine Erhaltung und Restaurierung der Synagoge möglich machen konnten. Ich hoffe sehr, dass bald wieder ein Zusammenkommen der ganzen Gemeinde und gemeinsame Gebete möglich sind. So können diese schönen Räumlichkeiten dann auch wieder mit Leben gefüllt werden.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass es möglich gewesen wäre, den ursprünglichen Zustand der Synagoge, vor allem inklusive der Kuppel, die von den Nationalsozialisten zerstört wurde, wiederherzustellen. Das ist leider an der Bereitschaft, eine ausreichende Finanzierung zur Verfügung zu stellen, gescheitert. Es ist zudem beschämend, dass sich die Sanierung nun über 10 Jahre gezogen hat. Ohne die ständigen Schwierigkeiten, ausreichende finanzielle Mittel zu organisieren, hätte die Sanierung längst abgeschlossen sein können.

Die Lübecker Synagoge hat eine bewegte Geschichte: Ursprünglich wurde das Gotteshaus 1880 fertig gestellt. Obwohl die Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 verwüstet wurde, überstand sie als eine der wenigen Synagogen in Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Die Nationalsozialisten haben allerdings umfassende Umbauten vorgenommen, damit das Gebäude nicht mehr als Synagoge erkennbar war. Nach dem Ende des Krieges wurde sie der jüdischen Gemeinde zurückgegeben und neu geweiht. Im Laufe der Jahre geriet die Synagoge allerdings in einen zunehmend sanierungsbedürftigen Zustand. 1994 erlang die Synagoge traurige Berühmtheit, sie wurde Ziel eines rechtsradikalen Brandanschlages – der erste Anschlag auf eine Synagoge in Deutschland seit dem Ende des Nationalsozialismus. Auch deshalb ist die umfassende Sanierung ein deutliches Zeichen für den Platz des jüdischen Lebens in der Mitte unserer Gesellschaft.

In Anbetracht des Terroranschlags auf die Synagoge in Halle und den, sich wieder häufenden, antisemitischen Übergriffen muss ein effektiver Schutz der jüdischen Gemeinde und der Synagoge permanent sichergestellt werden. Angesichts der vielen Besucher, welche die neu sanierte Synagoge erwartungsgemäß besichtigen werden, sollten dabei insbesondere effektive Eingangskontrollen durchgeführt werden. Dabei muss die Gemeinde Unterstützung bekommen, aus eigenen Mittel kann sie eine derartige Sicherheitsinfrastruktur nicht stemmen.

Die Carlebach Synagoge in Lübeck ist der Mittelpunkt des jüdischen Lebens in der Hansestadt und ein starkes Symbol für unsere offene Gesellschaft und ein friedliches Miteinander. Mit der nun fertig gestellten Sanierung der Lübecker Synagoge setzen wir alle ein Zeichen für die feste Verankerung des jüdischen Lebens in Deutschland. Hass, Hetze, Rassismus und Antisemitismus dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Um das zu unterstreichen, werde ich mich erneut dafür einsetzen, dass zur Eröffnungsfeier, die hoffentlich im nächsten Jahr stattfinden kann, auch der Bundespräsident teilnimmt.

Ich freue mich sehr, dass die langwierige Sanierung und Restaurierung nun erfolgreich abgeschlossen werden konnte und danke allen Beteiligten, die an das Sanierungsvorhaben geglaubt und dafür gekämpft haben. Den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde wünsche ich alles Gute und ein friedvolles und besinnliches Zusammenkommen in der neu sanierten Synagoge.“