Eine Pflegeausbildung für alle

02.02.2017 |

Bundesregierung will den Beruf attraktiver machen – Experten kritisieren den Gesetzentwurf

Lübeck/Berlin. Egal, ob in Seniorenheimen, auf der Kinderstation oder in der Notfallaufnahme – Personalmangel und Überlastung prägen immer noch den Arbeitsalltag von Pflegekräften in Kliniken und Pflegeheimen. Und auch die Zukunft stellt hohe Anforderungen an die Arbeitnehmer der Branche: So steigt die bundesweite Zahl der älteren Pflegebedürftigen Prognosen zufolge bis 2030 von 2,6 auf rund 3,4 Millionen.

Um das Problem zu lösen, hat die Bundesregierung bereits im vergangenen Jahr eine grundlegende Reform der Pflegeberufe auf den Weg gebracht. Die Idee des Kabinettsentwurfes: Die bisher getrennten Ausbildungswege für Altenpfleger, Krankenpfleger und Kinderkrankenpfleger werden in einem Bildungsweg zusammengefasst. „Ziel ist es unter anderem, eine Verbesserung der Qualität der Pflege sowie die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs zu schaffen“, sagt Sebastian Gülde, Referent des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG).

Außerdem reagiere man auch auf die veränderten Arbeitsbedingungen im Pflegebereich. So müssten etwa Krankenpfleger auch zunehmend demenzkranke Patienten versorgen, Altenpfleger seien demgegenüber immer öfter mit der Versorgung von chronisch Erkrankten beschäftigt. „Die neue dreijährige Ausbildung wird auf Einsätze in allen Arbeitsfeldern der Pflege vorbereiten“, sagt Gülde. „Sie führt zu einem einheitlichen Berufsabschluss als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann.“

Auch im Norden könnten Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und angehende Fachkräfte in der Altenpflege laut Gesetzentwurf bald gemeinsam die Schulbank drücken. Doch ob es wirklich zum geplanten Ausbildungsstart im Januar 2018 kommen wird, bleibt fraglich. Denn seit Beginn der parlamentarischen Beratungen im März 2016 haben SPD und Union noch keine abschließende Einigung erzielt.

Und auch aufseiten der Pflegeeinrichtungen gibt es noch Verbesserungsbedarf. „Wir sind prinzipiell für eine generalisierte Pflegeausbildung“, sagt etwa Sabine Rode, Leiterin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Sana Kliniken in Lübeck, „allerdings muss auch übergrundsätzliche Veränderungen im Pflegebereich nachgedacht werden, um den Beruf langfristig attraktiver zu gestalten.“ So sehe etwa der aktuelle Gesetzentwurf bisher keine Anpassung der Gehälter vor. Rode: „Altenpfleger verdienen immer noch weniger als Krankenpfleger. Sollen mehr Pflegefachkräfte in diesem Bereich arbeiten, müssen auch die Gehälter entsprechend verändert werden.“

Die SPD [...] befürwortet die Pflegeberufsreform: „Besonders die Altenpflege wird mit dieser Neuordnung aufgewertet“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm.

Autorin: Katrin Diederichs

Quelle: Lübecker Nachrichten, 2. Februar 2017, Seite 6