Lübecker Muslime diskutieren im Bundestag

Gabriele Hiller-Ohm bei der Fachkonferenz u.a. Aydin Candan 2.v.l., Remzi Uysal 2.v.r. und rechts Thomas Oppermann
27.01.2017 |

Im Rahmen der Konferenz „Muslime in Deutschland – Wege zu gerechter Teilhabe“ diskutierte die SPD-Bundestagsfraktion in dieser Woche mit Vertreterinnen und Vertretern der muslimischen Gemeinschaft über gesellschaftliche Teilhabe in Deutschland. Darunter waren aus Lübeck das Bürgerschaftsmitglied Aydin Candan, der Vorsitzende des Türgem Vereins Remzi Uysal und aus dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Migration Gülcan Kara. Zur Konferenz erklärt die für Lübeck und die Ämter Berkenthin und Sandesneben zuständige SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm:

„Unser Grundgesetz hält eindrucksvoll fest: Niemand darf wegen seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens und seiner religiösen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Wenn wir die Musliminnen und Muslime in unserem Freundeskreis fragen, berichten einige davon, dass Deutschland ihre Heimat ist und sie dennoch von der Gesellschaft anders behandelt werden.

In unserer Fachkonferenz stand daher das gesellschaftliche Miteinander im Vordergrund. Wir haben dabei ganz bewusst die Themen ‚Islamistischer Terrorismus‘ und ‚Radikalisierung‘ ausgeklammert. Denn gerechte Chancen in der Arbeitswelt und sozial gut durchmischte Wohnviertel, sind die besten Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander. In diesem Zusammenhang haben wir darüber diskutiert, wie wir die bestehenden Nachteile im Alltag beheben können. Dafür ist es zuerst einmal wichtig mit den Musliminnen und Muslimen in unserem Umfeld zu diskutieren und nicht nur über sie.“

Dazu Aydin Candan: „In Lübeck setze ich mich seit Jahren für die kulturelle Öffnung des Islam ein. Meine Ideen nun vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann ausgesprochen zu hören, freut mich sehr. Mir ist wichtig, dass wir klar zwischen den vielen gemäßigten Musliminnen und Muslimen und den wenigen Radikalen unterscheiden. Momentan steht hinter fast jeder Moschee eine politische Organisation. Das Vertrauen würde wachsen, wenn Imame an deutschen Universitäten ausgebildet werden würden und die Moscheen vom Ausland unabhängig werden.“

Remzi Uysal vom Türgem e.V. ergänzt: „Wir Muslime möchten mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn aus verschiedenen Kulturen hier in Deutschland friedlich und solidarisch zusammenleben. Die Bundesrepublik ist für meine Generation ein zweites Heimatland geworden und die Heimat unserer Kinder und Enkelkinder. Es ist die Aufgabe des Staates, die Rahmenbedingungen für unser weiteres friedliches Zusammenleben zu schaffen.“

Hintergrund:

Insgesamt leben gegenwärtig zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Musliminnen und Muslime in Deutschland. Das entspricht einem Anteil an der Bevölkerung zwischen 5,4 und 5,7 Prozent. In Lübeck gibt es für die ca. 14.000 Musliminnen und Muslime neun Moscheen.